Von der Hauptschule über die Universität zum Lehramt an beruflichen Schulen

Als ich mich in der 9. Klasse der Hauptschule für einen Beruf entscheiden sollte, war ich ziemlich verzweifelt. Für die üblichen Berufe, wie Einzelhandelskauffrau, Schneiderin oder Friseuse, konnte ich mich überhaupt nicht begeistern. Ausgefallene Tätigkeiten wurden aber in der näheren Umgebung meines Wohnortes, einem kleinen oberfränkischen Dorf, nicht angeboten. Deshalb wandte ich mich hilfesuchend ein weiteres Mal an den Berufsberater des Arbeitsamtes. Als dieser mir dann die Möglichkeit schilderte, dass ich Fachlehrerin für Handarbeit und Hauswirtschaft werden könnte, war ich sofort begeistert.: Dass dieses Ziel zu meiner Zeit weitere 10 Jahre Ausbildung bedeutete, hat mich zwar geschockt, konnte mich jedoch nicht mehr aufhalten.

So besuchte ich 3 Jahre lang die Berufsfachschule für Hauswirtschaft und beendete diese als staatlich geprüfte Hauswirtschafterin. Anschließend holte ich an der Berufsaufbauschule die Mittlere Reife nach, die zu meiner Zeit noch Voraussetzung für die Aufnahme an die Fachakademie für Hauswirtschaft war. Das damals noch erforderliche Vorpraktikum hätte ich gerne in einer Großküche bzw. Schneiderei im Ausland absolviert, leider war dies zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. Deshalb suchte ich mir Praktikumstellen in der Nähe und habe in den Betrieben auch wirklich viel gelernt.

Dann machte ich mich nach Ahornberg auf. Die Schule gefiel mir auf Anhieb, denn die Atmosphäre in diesem Haus ist unvergleichlich. In dieser Zeit habe ich gelernt, Schule in einem anderen Licht zu sehen: Der Lernstoff war sehr praxisbezogen, Lehrer waren eher Berater, Freund und Helfer auf deinem Weg zum Ziel. Sicherlich war auch die erste eigene Wohngemeinschaft ein Grund, dass mir die Schulzeit so angenehm erschien.

Neben dem regulären Unterricht bot die Schule Ergänzungsunterricht an, der zur Fachhochschulreife führte. Diese Gelegenheit wollte ich nicht verstreichen lassen und meldete mich unverzüglich an. So bildete ich mich auch in Englisch und Mathematik weiter. Diese Entscheidung stellte sich nach der Abschlussprüfung als goldrichtig heraus, denn auf Grund meines guten Notendurchschnitts von 1,50 in den Ergänzungsfächern und 1,3 im Abschluss zur staatlich geprüften Hauswirtschaftsleiterin hatte ich sogar die fachgebundene Hochschulreife erlangt.

Nun eröffnete sich mir ein ganz neuer Berufsweg. Ich hatte die Möglichkeit an der Universität zu studieren. Und ich nahm die Chance war. So studierte ich 10 Semester (5 Jahre) an der TU München das Lehramt für berufliche Schulen mit Ernährung/Hauswirtschaft als Hauptfach. Zur gleichen Zeit konnte man nebenbei durch Zusatzkurse den Abschluss zum Diplom-Berufspädagogen machen. Und wie die Vergangenheit gezeigt hat, können sich solche Ergänzungskurse richtig lohnen. Mit dem 1. Staatsexamen war ich nun "halber Lehrer" und diplomiert. Ein "ganzer Lehrer" ist man erst nach dem 2. Staatsexamen. Dazwischen liegt das Referendariat. Wenn man den Gerüchten Glauben schenken darf, soll es sich hier um eine Zeit der Demütigungen und großen Entbehrungen handeln, weshalb ich mit gemischten Gefühlen in das unbekannte Deggendorf reiste.

Hier verbrachte ich nun ganz entgegen meiner Erwartungen ein sehr schönes Jahr in der Seminarschule. Zu dieser Zeit konnte ich nicht ahnen, dass mir die Einsatzschule im folgenden Jahr überhaupt keine Freude bereitete, was nicht zuletzt daran lag, dass es sich dabei um ein sehr verschlafenes Nest mit etwas anders denkenden Einwohnern handelte.

Nun denn, jetzt unterrichte ich an einer Berufsschule in Oberfranken selbst HauswirtschafterInnen und weiterhin auch Köche, Hotelfachleute, Metzger und Bäcker und würde, stünde ich nochmals vor einer Berufsentscheidung, den gleichen Weg wieder gehen.

Hiermit danke ich allen, die mich dabei unterstützt haben, sei es durch Rat und Tat, oder auch einfach "nur" durch viele schöne Erlebnisse, an die ich noch lange zurückdenken werde.