Ahornberg

Entspannungsübungen

Jochen Ott

Karateka Jochen Ott, Träger des 4. Dan, gibt Studierenden der Fachakademie für Hauswirtschaft Tipps zur Entspannung und was für die jungen Frauen noch wichtiger ist, zur Selbstverteidigung.


Immer wieder werden junge Frauen Opfer von gewaltsamen Übergriffen.
Wie sie diese Angriffe abwehren können , das zeigte ihnen der Karateka Jochen Ott, der seit 40 Jahren Kampfsport betreibt und im Besitz des 4. Dan ist. Noch wichtiger für die Studierenden der Fachakademie für Hauswirtschaft in Ahornberg seien aber Entspannungsübungen, weil junge Frauen viel öfter mit Verspannungen und damit verbundenen Kopfschmerzen und Migräne zu kämpfen hätten, als mit Gewalttätern. Außerdem stehen Entspannungsübungen im Lehrplan im Fach "Personalführung mit Berufs- und Arbeitspädagogik".
Obwohl sich Ott nicht als Experte für "Thai-Ji" und "Qi-Gong" bezeichnet, beherrscht er als Trainer des KC Gefrees viele Übungen der chinesischen Meditations-, Konzentrations- und Bewegungsform zur Kultivierung von Körper und Geist. Dazu gehören Atem-, Körper-, Bewegungs-, Konzentrations-und Meditationsübungen, mit welchen jede Trainingseinheit beginnt. Auch während zwei Unterrichtsstunden können die Übungen mit wenig Aufwand als Ausgleich durchgeführt werden. Schnell könne sich damit der Körper regenerieren und neue Energie aufbauen.
Ott zeigte verschiedene Atemtechniken, die immer am Anfang der Übungen stehen sollten. Die einfachste sei dabei das Atmen über das Zwerchfell, das zwei Finger unter dem Solarplexus, der einzigen Stelle, wo der Körper keine Muskeln aufbauen kann, angesiedelt ist. Dadurch würden Meridiane aufgebaut, dies sind Bahnen, die den Körper durchlaufen und auf denen sich auch die Akupunkturpunkte befinden. "Mit fünf bis sechs solchen Atemübungen ist euer Körper für die nächste Stunde wieder fit", spornt Ott die Studierenden an.
Mit den Entspannungsübungen wird schlechte, verbrauchte Energie abgegeben und neue, gute Energie aufgenommen. Außerdem sollen sie auch gegen verschiedene Krankheiten helfen, wie gegen Bronchitis oder andere Erkältungskrankheiten. "Einfach die Hände reiben und dann mit den warmen Händen die Wangen massieren, schon haben wir ein gutes Mittel gegen Erkältungen" rät der Karate-Trainer.
Auch der Muskelaufbau sollte nicht vernachlässigt werden, und dazu ist nicht unbedingt der Gang ins Fitness-Studio nötig, um dort an Geräten zu üben. Die Muskeln in der Schulter, des Bizeps oder im Rücken könnten mit einfachen Übungen gestärkt werden. Bei Bandscheibenschäden sollte man aber auf bestimmte Übungen verzichten.
Mit Dehnübungen sollte die Entspannung abgeschlossen werden. Die "Schildkrötenstellung", den Kopf auf die Schulter ziehen, ist gleichzeitig der Übergang zur Selbstverteidigung. "Wenn ihr den Kopf so einzieht, kann euch niemand würgen oder in den Schwitzkaten nehmen", dies zeigt Ott auch gleich im Beispiel.
Die Selbstverteidigung sei sehr komplex, für die mindestens sechs Einheiten zu je zwei Stunden nötig wären. Der erste Rat an die jungen Frauen, "niemals aus Angst auf Gegenwehr verzichten". Man sollte es dem Angreifer nicht zu leicht machen, sondern so laut als möglich schreien und sich drehen und wenden, damit er nicht richtig zufassen kann.
Die Statistik würde zeigen, dass die Täter viel Angst hätten, entdeckt zu werden und suchen sich deshalb Opfer, welche wenig Gegenwehr leisten. Von solchen die sich wehren, würden sie meist schnell wieder die Hand lassen, weil auch sie viel Kraft und Energie aufwenden müssten. Eine Abwehrmöglichkeit sei, ihm die ausgetreckten Finger in den Hals, dort wo er auf dem Rumpf aufsitzt, zu stoßen. Auch sollte man versuchen ihn zu kratzen und zu schlagen, um eventuell DNA-Material von ihm zu bekommen. Selten sei es der Täter, der hinter einem Busch im Park auf junge Mädchen lauert, vielmehr kämen die Täter meist aus dem Bekanntenkreis. Die Überfallenen sollten auf jeden Fall zur Polizei, und das sofort. "Nicht erst duschen oder umziehen", sondern in den Klamotten, die beim Überfall getragen wurden.



Helmut Engel