Litzen, Spitzen, Borten

erarbeitet von Ute Meyer, April 1999

  1. Allgemeines
  2. Geschichtliches
  3. Arten von Litzen, Spitzen und Borten
    1. Litzen
    2. Spitzen
    3. Borten
  4. Arbeitsschritte entsprechend der Verwendungsmöglichkeiten
    1. Litzen
      1. Einfaches Aufsteppen einer Litze
    2. Spitzen
      1. Einfachaufgenähte Spitze (Durchzugsspitze)
      2. Mitgefaßte Spitze
    3. Borten
      1. Aufgesetzte Borte
      2. Eckenbildung bei Borten (und Spitzen)
        1. Methode 1
        2. Methode 2
        3. Bei dicken Borten
  5. Verwendung von Litzen, Spitzen und Borten
  6. Pflegehinweise

Allgemeines

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Zur Verschönerung von Wäsche und Kleidung können Spitzen, Borten oder Litzen verwendet werden. Diese schmückenden Teile sind zur Dekoration oder zum Kaschieren von schadhaften Stellen geeignet.
Aufgenähte oder eingesetzte Verzierungen müssen in Form, Farbe, Stärke und Fasermaterial auf den Grundstoff abgestimmt sein. Ob Kontrastfarbe oder dem Ton angepaßte Farben, ob symmetrische oder asymmetrische Muster ausgewählt werden, entscheidet der eigene Geschmack oder die aktuelle Mode. Aufwendiger, aber auch individueller können gestalterische Elemente selbst hergestellt werden.
Wichtig beim Gestalten und Verzieren von Wäsche ist , daß man die Textilien nicht überlädt, sondern durch gezielte und dezente Punktsetzung einen dekorativen Effekt erzielt.

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Geschichtliches

Die Geschichte der Spitze reicht schon weit zurück. Denn schon 3000 - 4000 v. Chr. fand man erste Haarnetze, die mit der Knüpftechnik gearbeitet waren. Auch in Ägypten, in einem römischen Grab, fand man solche kreisrunden Geflechte. Die Knüpftechnik gilt als Vorläufer der Spitzen.
Als historische, klassische Spitzen bezeichnet man diejenigen, die in Handarbeit mit Nadeln (Häkel-, Näh-, Stick-, oder Stricknadeln) oder durch Klöppeln angefertigt worden sind.
Die alten echten Spitzen entstanden zwischen 1500 und der Französischen Revolution 1789. Kunst, Mode und Gesellschaft haben im Zusammenhang mit Kleidung, Sitten und Gebräuchen die Art und Weise der Spitzen beeinflußt. Spitzen galten in dieser Zeit als Statussymbol und waren das Ergebnis fleißiger Klöster und weltlicher Manufakturen, in denen die ärmsten Frauen Akkordarbeit leisten mußten. Dieser Zustand änderte sich erst im 19. Jahrhundert, als es möglich war, Spitzen durch Maschinen herzustellen.
Sehr bekannt ist die "Brüssler Spitze", die durch Klöppeln und Musterbildung um 1700 entstanden ist
Nach Deutschland kam die Spitze erst durch Spitzenschulen, die in Frankreich entstanden sind. Bei uns haben die Spitzen Frauen wie Barbara Uttmann (1514-1574), Leni Matthaei und Grete Thums (Ende des 19. Jahrhunderts) berühmt gemacht.

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Arten von Litzen, Spitzen und Borten

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Litzen

Litzen sind breite oder schmale, gebogene oder gezackte Bänder, die von Hand oder mit der Nähmaschine aufgesetzt oder angesetzt werden.
Sie können aus:

hergestellt werden.
Sie werden in verschiedenen Breiten und Farben in allen Kurzwarengeschäften, Fachgeschäften für Handarbeiten, angeboten.
Die einfachste Litze ist die Zackenlitze, eine einfache Borte in vielen Farben und Breiten.

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Spitzen

Spitzen sind durchscheinende, zarte, aus dünnen Fäden kunstvoll geschlungene, unterbrochene Flächengebilde. Sie werden aus Naturfasern (Baumwolle, Leinen, Seide), wie auch aus Chemiefasern maschinell oder in Handarbeit gefertigt. Handgearbeitete Spitzen werden hauptsächlich aus Naturfasern durch Klöppeln, Häkeln, Stricken und Knüpfen gefertigt.
Maschinenspitzen aus Natur- oder Chemiefasern werden gewebt, gewirkt oder maschinell geklöppelt. Spitzen sind im Handel als schmales oder breites Spitzenband, als Spitzenstoffe in Meterware, als vorgefertigte Teile wie Kragen oder Manschetten, mit festen oder mit offenen Webkanten, in allen Formen und Farben erhältlich.
Sie können für Flächen, zur Zierde oder für Kanten verwendet werden.
Möglichkeiten der Spitzenverarbeitung sind:

Die Verarbeitungstechniken können von Hand oder mit der Maschine ausgeführt werden.
Einige Arten von Spitzen:

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Borten

Borten sind dicht gewebte, farbige, mit Muster versehene breite oder schmale Bänder.
Sie sind in allen Größen, Formen und Farben im Handel erhältlich.
Sie können ebenso wie Spitzen als Verzierung oder Besatz für Kanten aufgesetzt, angesetzt und eingesetzt werden. Die Arbeitsschritte für das Aufsetzen, Ansetzen und Einsetzen von Borten sind identisch mit denen für Spitzen.
Einige Arten von Borten:

Borten mit Fransen kombiniert:

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Arbeitsschritte entsprechend der Verwendungsmöglichkeiten

Litzen

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Einfaches Aufsteppen einer Litze

meist wird hier eine Zackenlitze verwendet:
-> Die Litze mit der linken Seite (falls vorhanden) auf die rechte Stoffseite gerade aufstecken und heften,
-> gesteppt werden Litzen nur in der Mitte der Zacken mit einem Geradstich,
-> Nähgarn in der gleichen Farbe wie die Litze wählen,
-> evtl. den Heftfaden entfernen und bügeln.

Spitzen

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Einfachaufgenähte Spitze (Durchzugsspitze)

meist wird zu dieser Möglichkeit eine Festonspitze mit festen Stickereikanten, auch Durchzugsspitze genannt, verwendet.
Durchführung:
-> Die Spitze wird mit der linken Seite auf die rechte Stoffseite (wenn möglich fadengerade) aufgesteckt und geheftet,
-> angesteppt wird die Spitze knapp neben der Durchzugs-kante, mit einem Geradstich mit der Stichlänge von 2 - 3,
-> es ist ein gleichfarbiges Nähgarn zuverwenden,
-> die Heftfäden entfernen und von links bügeln.

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Mitgefaßte Spitze

hierbei werden meist Festonspitzen mit offener Kante verwendet:
Durchführung:
-> Die gebogte offene Gewebekante gerade schneiden,
-> bei einem Saum mit fertiger Breite: 2 cm:

-> die Spitze mit der linken Seite auf die rechte Seite in den angebügelten Saum schieben und feststecken,
-> heften und knappkantig feststeppen,
-> die Heftfäden entfernen,
-> vorsichtig ohne Dampf von rechts bügeln, dann von links.

Borten

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Aufgesetzte Borte

Durchführung:
-> Die Borte wird mit der linken Seite auf die rechte Stoffseite (wenn möglich fadengerade) aufgesteckt, geheftet,
-> angesteppt wird die Borte knapp neben der Webkante,
-> mit der Stichlänge 2-3
-> verwendet wird ein Nähgarn mit der Farbe der Borte.
Wenn man nur ein kurzes Stück auf dem Stoff aufnähen möchte und die Enden sichtbar sind,
-> dann muß man die beiden Enden einfach zwischen Stoff und Borte schlagen, so daß die Enden auf der linken Seite liegen,
-> ansteppen dann im Rechteck,
-> die Heftfäden entfernen und von links bügeln.

Eckenbildung bei Borten (und Spitzen)

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Methode 1

-> Die Borte mit der linken Seite auf die Rechte Stoffseite stecken bis zur vorgesehenen Ecke,
-> an der Ecke rechts auf rechts die Borte zurückklappen und die Umbruchlinie flachbügeln,
-> Borte rechtwinklig so aufklappen, daß die Webkante an der äußeren und inneren Ecke genau aneinanderstoßen,
-> Borte nach der Ecke ganz normal, wie voher, weiter stecken und evtl. gesamt heften,
-> Borte knapp neben der Webkante auf beiden Seiten steppen,
-> die schräge Umbruchkante mit einem Hohlsaum schließen und bügeln.

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Methode 2

-> Markieren Sie auf der rechten Stoffseite die Ansatzlinie der Borte mit Heftfaden oder Schneiderkreide,
-> die Borte mit der Maschine oder per Hand schmalkantig ansteppen,
-> steppen sie die Borte zuerst an der Außenseite auf dem waagrecht verlaufenden Teil der Borte,
-> nähen Sie mit Heftstichen genau neben der Stepplinie auf den Stoff,
-> legen Sie den senkrechten Teil der Borte flach über die Heftnaht,
-> Innenkanten der Borte aufsteppen,
-> zuletzt die Ecke von Hand mit unsichtbaren Stichen annähen,
-> Heftfäden entfernen und bügeln.

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Bei dicken Borten

Durchführung:
-> Falten Sie die Borte vor dem Aufsteppen zu einer exakten Ecke,
-> Bruchlinie leicht bügeln,
-> dann von links genau in der Bruchlinie steppen,
-> Anfang und Ende mit Rückstichen sichern,
-> Ecke nahtbreit herrausschneiden.

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Verwendung von Litzen, Spitzen und Borten

Litzen, Spitzen und Borten sind verzierende Elemente. Man verarbeitet sie bei Kleidungsstücken wie:

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Pflegehinweise

Generell gilt für Spitzen, daß man sie waschen und bügeln kann, aber man sollte auf jeden Fall auf die Herstellerhinweise und das Material achten. Zu beachten ist außerdem, dass Spitzen nicht so viel Mechanik wie ein Stoff aus dem gleichen Material vertragen.
Beim Bügeln ist es von Vorteil, Litzen, Spitzen und Borten ohne Dampf am besten von links zu bügeln, denn sonst werden sie arg geplättet und sie sehen dann nicht mehr schön aus.
Handgefertigte Spitzen sollten zum Trocknen mit Hilfe von Stecknadeln und einer Styroporplatte gespannt und gestärkt werden.

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